Zwischen Krankenhaus und großer Liebe – die erste Woche mit Baby!

Da sitze ich nun im Krankenhausbett und halte das erste mal meinen kleinen winzigen Säugling in den Armen, die mit ihren kleinen blauen Augen durch die Welt schielt und der alles viel zu hell ist. Ich bin noch leicht benommen von der Geburt und schaue in das winzige Gesicht. Ein kleines Matschauge hat sie, die rechte Gesichtshälfte ist leicht geschwollen. Irgendwie unförmig. Außerdem prangt ein großer blauer Fleck an ihrem linken Schienbein. Vielleicht ist es auch ein Blutschwamm. Das kann mir noch keiner so genau sagen.

Muttergefühle mit Anlaufzeit

Hm. So wirklich wollen sich überschwängliche Gefühle nicht einstellen. Ich bin einfach erschöpft und müde. Wir knipsen ein paar erste Fotos als Familie, versenden die ersten SMS. Die Hebamme kommt dazu und verabschiedet sich, weil sie Feierabend hat. Sie ist jung, Mitte 20 schätze ich und war super lieb. Schade, denke ich, denn die nächste Hebamme ist etwas älter und nicht mehr ganz so enthusiastisch.

Its a girl Baby

Die Handgriffe sind routiniert und wirken so etwas gröber auf mich, was sie aber keinesfalls sind. Sie will sich die kleine auch noch mal anschauen. Hmpf, muss das sein? Wir kuscheln doch gerade so schön im Bonding-Tuch – ich will sie nicht her geben. Oh also doch? Hallo Muttergefühle! Nun gut, was muss das muss also lüfte ich meine Bettdecke und nun wird mir auch klar, warum mir so schön warm war die ganze Zeit über.

Ich bin von oben bis unten vollgeschissen mit Kindspech. Meine Güte wie viel passt denn in so einen winzigen Darm rein? Also werde ich fachmännisch aus dem Bondingtuch herausgeschnitten und erst mal gewaschen. Fakt 1: es ist so ein schönes Gefühl seinen Bauch wieder für sich zu haben, ohne dass etwas drückt oder jemand meine Gedärme umräumt. Fakt 2: Kann die Hebamme mal bitte nicht zu sehr auf meinem Bauch rum reiben? Den kann man ja einmal um den Rücken rum legen, so labberig ist der nach der Geburt. Naja was solls, hat es das Baby schön weich wenn es auf meinem Bauch liegt! Ha! Schön geredet.

Hallo Baby – wir lernen uns kennen

Der erste Tag ist unrealistisch und rennt nur so an mir vorbei. Männe und Mama sind auch bald wieder nach Hause gegangen, damit ich Ruhe habe. Die ständigen Schwestern und Ärzte Besuche nehmen auch langsam ab und gegen Abend kommen wir etwas zum durchatmen. Ein Familienzimmer haben wir übrigens nicht gebucht, das war schlichtweg zu teuer. Da investieren wir das Geld lieber ins Kind. Glücklicherweise bin ich alleine im Zweibettzimmer und das auch bis zur Entlassung. Die erste Nacht ist nicht viel an Schlaf zu denken. Ich habe mein Kopfteil vom Bett hochgefahren, halte sie im Arm und wir fühlen uns einfach nur. Es ist dunkel und angenehm. Alle halbe Stunde stillen wir für ein paar Minuten und kuscheln dann weiter. So zieht sich die Nacht und ich nicke ab und an für ein paar Minuten ein.

Die nächsten vier Tage kehrt der Krankenhausalltag ein und mal wieder verstehe ich, wenn andere sagen „Im Krankenhaus kommt man einfach nicht zur Ruhe“. Nö – kommste auch nicht. Entweder ist Visite, oder es wird Essen serviert 3 x am Tag, die Putzfrau rennt feudelnd durch die Bude, Hebammen und Schwestern stürmen das Zimmer, messen bei mir Fieber und Blutdruck. Sie fragen nach Weh Wehchen und helfen wo sie können. Auch gerne Nachts um 12 wenn Schichtwechsel ist. Puh, da ist ne Stunde mal Ruhe Gold wert. Ich freu mich nach dem zweiten Tag schon auf zu Hause.

Traditionen soll mal wahren… 

Als ich vor 34 Jahren geboren wurde, brachte meine Oma meiner Mutter als Geschenk eine rote Rose ins Krankenhaus. Ein paar Tage später war die Entlassung und die Rose war nicht mehr ganz so schön anzusehen und meine Mutter wollte sie entsorgen. Was sie nicht gesehen hatte, war der goldene Ring, der mitten an der Rose hing. Typisch Oma hat sie es auch mit keinem Wort erwähnt, frei nach dem Motto „Sie wird es schon irgendwann sehen…“ Nun ja sie hat ihn natürlich nicht gesehen, aber die Geschichte ging gut aus und so trug meine Mutter den Ring seit meiner Geburt durchgehend ohne ihn abzunehmen.

Rose zur Geburt

Traditionen soll man wahren und so bekam ich ebenfalls eine rote Rose im Krankenhaus von meiner Mutter geschenkt. Diesmal war der Ring aber mit einem etwas auffälligerem Schleifenband an der Rose befestigt, nicht das ich ihn auch noch übersehe – denn nicht alle Traditionen müssen übernommen werden 😀 Ich werde diese Tradition auch weiterführen, sollte ich irgendwann mal Oma werden. Ich freue mich so sehr darauf ihr die Geschichte erzählen zu dürfen, denn meine Oma war eine tolle Frau!

Goldring

Der Tag der Entlassung

Auch wenn alle super lieb sind, bin ich froh, als wir am Ostersamstag gehen können. Mittlerweile haben wir uns beim Stillen ganz gut eingespielt, das Andocken klappt prima. Zwar sind die Zeiten noch sehr knapp und alle halbe Stunde bis Stunde will sie an die Brust, was aber auch völlig in Ordnung ist. Immerhin ist der Magen ja noch sehr klein und viel passt dort auch nicht rein. Wir packen langsam meine Tasche, ich verabschiede mich von jeder Schwester, die in nächster Zeit in mein Zimmer stürmt und Männe kommt das erste mal mit der Autoschale und dem Kinderwagengestell ins Zimmer.

Als wir aus dem Krankenhaus laufen, überkommt mich eine Welle der Gefühle und es fällt mir schwer mich zurück zu halten. Auch wenn ich froh bin, dass wir gehen können, ist es doch sehr komisch. Ein neuer Abschnitt beginnt. Wir gehen zusammen in die große weite Welt – ich weiß was auf mich zukommt. Sie noch nicht. Ich hab das intensive Bedürfnis sie vor allem beschützen zu wollen. Ich atme tief durch, schluck die Tränen runter und freu mich auf zu Hause!

Willkommen zu Hause, Baby!

Zu Hause angekommen geht vieles leichter und entspannter – das merke ich sofort. Männe nimmt mir alles ab, was ein Goldschatz. Die ersten zwei Tage verbringe ich komplett im Bett mit der Kleinen und wir genießen einfach nur. Endlich ist Ruhe und wir können das richtige Kennenlernen beginnen. Wir kriegen Essen ans Bett geliefert, kuscheln viel zu dritt und auch in der Nacht hilft er mir wo er nur kann. Ich entspanne deutlich und auch die Kleine kommt mehr zur Ruhe.

Übrigens hat mich zu Hause eine Welle von Überraschungen erwartet. Der Tisch war von meiner Mama wunderbar gedeckt mit Blumen, frischen Brötchen und den leckersten Sachen die man sich vorstellen kann. Eigentlich sollten wir um 10 Uhr entlassen werden, aber wie das immer so ist, zog sich das alles in die Länge, so dass wir erst gegen 14 Uhr zu Hause waren. Aber ein Brötchen zwischendurch geht ja immer. Wir alle drei mümmelten an unseren Brötchen, während wir verliebt das kleine Babymädchen anstarrten. Nach dem Frühstück sind wir ins Kinderzimmer gegangen und das war überfüllt mit Luftballons. Überall hingen sie, am Kinderbett, unter der Decke, an den Schränken. Teilweise ganz einfache, teilweise Folienluftballons mit Namen versehen. Und ein kleines Geschenk stand auch noch für mich auf der Wickelkommode. Ich war baff! Schöner hätte ich es mir nicht wünschen können.

Kinderzimmer Its a Girl

Die ersten Tage zu Hause

Die folgenden Tage verliefen sehr ruhig und bestanden fürs Baby eigentlich nur aus Schlafen, Essen und die Windel voll machen. Das gab uns die Möglichkeit ein wenig Alltag einkehren zu lassen und auch entspannt als Familie anzukommen. Ein toller Start zu dritt nicht wahr? Die Nächte waren auch in Ordnung. So langsam haben wir uns von 30 Minuten auf 1-2 Stunden gesteigert und Hunger wird mit quengeln deutlich gemacht. Wenns dann nicht schnell genug geht, kommt schon mal ein kleines Quaken aus dem Minihals. Wie süss 😀 Und wenn man dann immer noch nicht schnell genug ist, schafft sie es beim Einatmen wie Ernie zu klingen, wenn er lacht… Oh man, ich kann nicht anders als zu lachen wenn sie so weint. #rabenmutter? Ich denke eher nicht, ihr würdet genau so lachen weils so niedlich ist – versprochen!

Und so erobert dieses kleine Mädchen jeden Tag mehr unser Herz und lässt sie uns verliebt ansehen wenn sie in unserem Arm liegt und die Äugeln langsam zu fallen, oder wie sie immer erst zwei mal Niest bevor der Schluckauf beginnt und diesen meist auch mit zwei mal Niesen beendet. Wir freuen uns auf eine aufregende und sicher auch anstrengende Zeit mit dir, kleine Fräulein Faltenfuß ♥

Tiffany Armband Herz Baby Love

 

7 Gedanken zu „Zwischen Krankenhaus und großer Liebe – die erste Woche mit Baby!

  1. Maren

    Toll Geschrieben! Die Tradition mit dem Ring finde ich toll! Ein Glück hat deine Mama noch rechtzeitig bemerkt das etwas schönes an ihrer Rose hängt! Ich wünsche euch eine Tolle Zeit und viele Abenteuer zu dritt! 🙂

    Antworten

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